den Augenblick erkennen, den Moment erleben

30. Mai 2017

Das Glück im Alltag


An einem gewöhnlichen Montagabend sitze ich auf unserem aufgeräumten Balkon, den wir mit Zimmerpflanzen und Kräutern ausgestattet haben, genieße es, dass der Himmel trotz der bereits vorangeschrittenen Stunde blau ist und erfreue mich an der ersten frischen Brise an diesem heißen Maitag. Ich bin zufrieden. Mit mir und mit der Welt.

Der Grund dafür ist sicherlich dieser gut ausgefüllte, nicht verplante, produktive Frühsommertag. 
Sechs Ladungen Wäsche wurden gewaschen und aufgehängt, ich schuf Ordnung auf dem Balkon und dem Schuhregal, buk Pizzaschnecken und kochte ein Abendessen, variierte sogar Pauls Nachtisch und machte einen Essensplan für die kommende Woche, ging einkaufen und gab ein Päckchen bei der Post ab. Aber es geht noch weiter! Ich bereitete ein Picknick mit Eis und Eiskaffee für meine Jungs vor (der Kaffee war natürlich für mich) und hatte Spielideen mit Wasser in petto, als wir in den Garten gingen. Ich holte Anton heute pünktlich vom Kindergarten ab, hatte mit beiden Jungs Qualitytime, ich war ausgeglichen, machte ein paar Sportübungen und aß sehr ausgewogen. Zudem erledigte ich zwei lästige To Do's, die schon lange auf meiner Liste standen und beantwortete einige Emails. Ich hatte keinen einzigen Termin.

Zusammenfassend lässt sich sagen: dieser Tag war gut.

Wenn ich mir einen perfekten Tag vorstellen könnte, würde ich sicherlich nicht den Haushalt wählen. Ich würde ins Museum gehen, das Wetter wäre bei angenehmen 20 Grad stehen geblieben, ich hätte Zeit für mich alleine, Zeit gemeinsam mit meinem Freund und dann als gesamte Familie. Ich würde produktiv und kreativ sein, guten Kaffee trinken und durch die Gegend wandern. Irgendeine Form von gutem Input wäre auch dabei.

Doch Perfektion erlangt man selten, wenn man diese plant. Seitdem ich eine kleine Familie habe, ist es deutlich komplizierter geworden, die Tage so zu gestalten, dass jedes Familienmitglied vollkommen glücklich ist. In den meisten Fällen haben wir Erwachsene zu wenig Zeit für unsere Interessen, jenseits des Familienlebens. Das stört mich mittlerweile selten, denn ich weiß, dass jede Lebensphase ihre Besonderheiten, ihre Chancen und manchmal auch ihre Tücken hat.

Das Entscheidende ist jedoch hierbei, dass man auch in der jeweiligen Phase glücklich ist und diese nicht nur wegen der nächsten, erwarteten überlebt. Das Leben im Hier und Jetzt ist wichtig. Versteht mich nicht falsch, es macht Sinn, sich Ziele zu setzen, an denen man arbeitet oder auf die man sich freut. Doch wenn man dabei vergisst, dass das aktuelle Leben stattfindet, dann verpasst man doch einen entscheidenden Teil im Leben. 

Es gibt in meinem Leben ein paar konkrete Dinge, die ich nicht so umsetzen kann, wie ich es im besten Fall gerne hätte. Aber ich habe gelernt, dass ich mir meine Zeit trotzdem bedeutsam gestalten kann. Ich bin (in den meisten Fällen) selbst für mein Glück verantwortlich. 

Das, also mein Glück, ist selbstredend ein Gesamtpaket aus Frieden, Gesundheit, Liebe, guten Erlebnissen, Input und Output und vieles andere. Da ich das unverdiente Glück habe, über einen wunderbaren Rahmen zu verfügen, liegt es an mir, das Innere mit Dingen zu füllen, die mich zufrieden und glücklich machen.

Das kann gutes Essen sein, der besonders schöne Topfuntersetzer, den man sich geleistet hat, das Abarbeiten von Listen, aber auch das Hineinleben in den Tag, die zweite und dritte Tasse Kaffee, selbstgepflanzten Salat zu ernten, mit Aquarellfarben zu malen, Jazzmusik zu hören, kurz: Dinge tun, die man gerne mag. Aber auch umgekehrt ist es möglich, Glück im Alltagsleben zu erfahren. Wenn man sich einfach mal nicht über das Wetter beschwert (zu warm), sondern sich an die Gegebenheiten anpasst. Wenn man die Abstellkammer endlich mal aufräumt, anstatt sich über die durcheinander geratenen Regale zu ärgern. Oder wenn die nächste Reise noch viel zu weit weg liegt, das Sparschweinchen zu füllen. 

Mir ist bewusst geworden, dass man auf seinen Alltag entscheidend Einfluss nehmen kann. Und dann ist es egal, ob man nach der Arbeit nur wenige Stunden zur Verfügung hat oder als Hausfrau, so wie ich es noch für wenige Monate bin, den kompletten Tag hat. Wichtig ist doch, dass die Zeit gut ausgenutzt wird und dass man mit einer optimistischen Grundhaltung ans Werk geht. Mich hat es an diesem Tag so zufrieden gemacht, dass ich produktiv war und am Ende des Tages Ergebnisse vorzeigen konnte. Morgen werde ich wieder mehr Kopfarbeit leisten und den Haushalt ruhen lassen und hoffentlich nicht weniger zufrieden sein.

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