den Augenblick erkennen, den Moment erleben

24. Oktober 2017

betsi in Paris: Batignolles

Wenn man eine Lieblingsstadt hat und diese immer wieder besucht, wird man früher oder später die Erfahrung machen, dass man immer wieder zu seinen Lieblingsecken und -straßen zurückkehrt. Es gibt Orte in Paris, die ich mit einer wunderbaren Erinnerung verknüpfe. Andere sind so schön und verbreiten einen ganz besonderen Spirit, dass sie von Grund auf zufrieden und glücklich machen. Das gilt jedoch auch in umgekehrter Weise. So manche Métrostation raubte mir den letzten Nerv (Châtelet oder Bastille!) und es gibt die ein oder andere Straße, die ewig lang, aber weder schön noch interessant noch sicher ist. Von Mal zu Mal entwickelt sich also ein Netzwerk aus Adressen, die mein Herz höher schlagen lassen und an die ich zurückkehre.

Die Krux an diesen kurzen Aufenthalten in Paris ist, dass man einfach zu wenig Zeit hat und niemals alles erleben und sehen kann. Für so manch eine Reisende stellt sich hier gar nicht erst ein Problem. Doch die große Diskrepanz zwischen vielen Lieblingsspots und dem gesetzten Zeitrahmen lassen mich jedes Mal erneut überlegen, was mir in der kommenden Reise am Wichtigsten ist.

Weil ich letztes Jahr im schwangeren Zustand keine Motivation hatte, viel zu viele Treppen zu laufen, ließen wir einen Abstecher ins Montmartre bleiben und hielten uns entlang der Seine und des Canal Saint Martin auf. Dieses Mal, ganz ohne Kinder und Schwangerschaftsbauch, verbrachten wir einen ganzen Nachmittag auf diesem Hügel und hätten ruhig viel länger bleiben können. So geht es mir mit vielen Orten. Es ist immer gut zu wissen, dass es ein nächstes Mal geben wird.

Daher gestalte ich unsere Kurztrips auch immer mit einer Mischung aus vielen altbekannten Lieblingsadressen und ein paar neuen Spots, die ich entdecken möchte.
Ein unbekanntes Viertel: Batignolles

Als ich recht kurzfristig ein Hotelzimmer bzw. eine Wohnung für meinen Freund und mich (während der PFW!) suchte, musste ich feststellen, dass es kaum Angebote in meinen Lieblingsarrondissements gab. Nach vielem Überlegen entschied ich mich, etwas Neues zu wagen und ein beinah gänzlich unbekanntes Arrondissement als Startpunkt unseres Urlaubs zu wählen.

Wir landeten in einer sehr schönen, kleinen Wohnung im 17. Arrondissement in der Rue des Dames. Diese Straße gehört zum Viertel Batignolles und liegt somit nordwestlich des Zentrums. Batignolles gilt als ein Dorf, in dem viele Pariser leben. Nur wenige Attraktionen locken Touristen hierher. Deshalb ist es hier schön ruhig und man fühlt sich beinahe heimisch und als gehöre man dazu. (Ganz standesgemäß hatte ich meinen Trenchcoat an und übte mich im Französischen.)

Schon vor drei Jahren machten wir einen Abstecher hierher, um den Vormittag im Parc Monceau zu verbringen. (Die, die schon länger hier mitlesen, können sich vielleicht an die analogen Bilder erinnern?) Es ist ein kleiner, intimer Park in einer netten Wohngegend. Es ist kein Must Do, der Jardin des Tuileries, der Jardin du Luxembourg oder der Place des Vosges liegen meist näher an den klassischen Zielen. Doch sind hier auch deutlich mehr Touristen unterwegs. Der Parc Monceau ist ruhig, eine kleine Oase in der Stadt.
Einkaufen für das Picknick

Das ganze Viertel ist entspannt und beschaulich. Selbst die belebte, schmale Rue de Lévis, die unser Zentrum ausmachte und Dreh- und Angelpunkt unserer Einkäufe war, ist weder hektisch noch anstrengend. Es ist eine typische Pariser Straße, in der man das Treiben der Einwohner erleben kann. Hier wird frischer Fisch gekauft, an zahlreichen Obst- und Gemüseständen die ausgezeichneten Waren begutachtet und beim Käsehändler Käse für das Apéro erworben. In der Straße reihen sich viele Kinderläden aneinander, es gibt einige Modegeschäfte sowie Cafés. Im größten Monoprix, den ich ich bis dato gesehen habe, gibt es nicht nur einen normalen Supermarkt im Untergeschoss, sondern auch eine große Delikatessen- und Weinabteilung auf der gesamten Verkaufsfläche im Erdgeschoss.

Nach einem Gang durch ein paar Straßen im Viertel begannen wir, von den Gerüchen auf der Straße verführt, ein Picknick zusammenzustellen. Bereits wenige Stunden nach unserer Ankunft liefen wir mit einer Tüte voller Trauben und Feigen, den leckersten eingelegten Oliven, die ich in den letzten fünf Jahren gegessen habe, zwei sehr guten Käsesorten, einer Flasche Rotwein und einem Baguette unter dem Arm geklemmt, händchenhaltend die Straße entlang, um den Weg zur Sacré Coeur einzuschlagen.

Natürlich ist das Händchenhalten die Sahne auf der Torte. Denn ohne Kinderwagen und Kinderhände konnten wir unser gemütliches Picknick anders und vor allem sehr entspannt genießen.

Die Sacré Coeur, die ganz nebenbei einer meiner liebsten Orte in Paris ist, liegt nur zweieinhalb Kilometer entfernt. Vom Boulevard des Batignolles aus kann man schon einen ersten Blick auf die Zuckerkirche erhaschen. Uns schien sie zu weit weg zu sein, sodass wir in die Métro (Linie 2, Haltestelle Blanche) stiegen und nach nur zwei Haltestellen ausstiegen.
Lieblingsadressen

Die Rue de Lévis liegt sehr nah an der Métrostation Villiers. Diese wird von den Linien 2 und 3 befahren, was sehr praktisch ist, um die verschiedenen Ziele in der Stadt anzusteuern. Zum Beispiel kommt man mit der 3 sehr gut ins Marais oder mit der 2 in Richtung Seine. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings. Bei den Fahrten muss man immer mindestens zwanzig Minuten einplanen. Manchmal muss man umsteigen. Dadurch ist man viel unter der Erde unterwegs und verpasst die Pariser Architektur. Beim nächsten Mal würde ich definitiv wieder häufiger mit dem Bus fahren.

Die Haltestelle Villiers liegt an einer großen Straßenkreuzung. Hier kreuzen sich der Boulevard des Batignolles, die Rue de Constantinople, die Rue du Rocher, der Boulevard de Courcelles und die Avenue de Villiers. Dort gibt es auch einige Cafés und Restaurants, wie zum Beispiel das Café des Domes, Café Monceau und Café Marcella. Man sitzt hier nicht wegen der Tasse Noisette, denn die schmeckt sehr durchschnittlich und ist ziemlich teuer, sondern um die Leute zu beobachten und gesehen zu werden.

Die leckersten Croissants aß ich auf dieser Reise in der Boulangerie Diva et Chocolats direkt ein paar Häuser weiter in der 100 Rue des Dames. Croissants au beurre, fluffig und saftig. Sodass ich beim zweiten Frühstück direkt ein zweites für mich kaufte.

Den guten Käse kauften wir bei Fromage et Détail in der Rue de Lévis.  Die Beratung ist top.

Die besten eingelegten Oliven - sie waren mit eingelegtem Knoblauch und Chili - gab es beim Händler an der Ecke Rue de Lévis/ Rue de la Terasse.
Weitere Adressen

Und dann gibt es natürlich auch die gesammelten Adressen, die in den wenigen Tagen einfach nicht besucht werden konnten. Darum geht es ja, zu leben, zu schlendern, eine gute Zeit zu haben und dabei das zu tun, was sich richtig anfühlt.

Wer aber mehr Zeit mitbringt als wir oder unbedingt einen sehr guten Kaffee trinken möchte, dem gebe ich die Empfehlungen mit, die ich vorher gesammelt hatte. Das Café Dose, die Kaffeerösterei Terres de Café, der wohl ausgezeichnete Libanese Rimal oder das italienische Restaurant Mamma Primi.

Fazit

Ich bin sehr froh, dass wir uns dieses Mal ein neues Viertel angesehen haben und erkunden konnten. Wie zu erwarten war, habe ich auch dieses nicht vollständig kennengelernt, aber konnte ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Pariser im Nordwesten der Stadt leben. Wir haben uns hier wohlgefühlt. Mir hat es sehr gut gefallen, dass es ein Ort ist, an dem vor allem die Pariser leben. Dennoch werden wir uns beim nächsten Besuch wohl wieder ein neues Viertel aussuchen. Für diese kurze Reise mussten wir weite Strecken zurücklegen, um meine Alltimefavorites zu besuchen. Es ist aber schön, dass ich nun eine weitere Ecke auf der Pariser Karte kenne.

Und diese Adressen habe ich für euch auf einer Karte zusammengefasst. So könnt ihr einen Teil des Viertels Batignolles kennenlernen. Tada, ich bin ein wenig aufgeregt, weil ich mit diesem Blogpost gleich zwei Dinge in den Blog implementiere, die mir auf anderen Blogs so gut gefallen. Die Collagen und eine Straßenkarte, ist das nicht super?! Ich liebe es, schaue mir Straßenkarten tatsächlich sehr oft an und versuche mir so die Gegend vorzustellen. Habt viel Spaß damit. Und erzählt mir doch von euren Lieblingsadressen, wenn ihr in diesem Viertel sein solltet.